Geschichtsverein will die Mundart wieder zu neuem Leben erwecken

Gelungener Nachmittag in Zusammenarbeit mit der Senioren-Union Alsdorf 

Der Alsdorfer Geschichtsverein geht mit einigen seiner Veranstaltungen auch nach “draußen”, hinein in die Gesellschaft. So jetzt mit einem Nachmittag zum Thema “Mundart” – als Gast bei der Senioren-Union der CDU in Alsdorf in der Begauer Siedlerklause. Die Veranstaltung war sehr gut besucht – und beleuchtete das Thema “Mundart” aus verschiedenen Richtungen.

Der erste Angang – nach Begrüßungen durch Peter Büttgen (Vorsitzender der Senioren-Union Alsdorf) und Franz-Josef Müller (Vorsitzender des Alsdorfer Geschichtsvereins) – war ein wissenschaftlicher. Er wurde geleistet von Dr. Georg Cornelissen, Sprachwissenschaftler beim Landschaftsverband Rheinland. “Sind Dialektsprecher dümmer?” hieß der provokante Titel des Vortrages, doch die Frage ließ sich nach den profunden Darlegungen von Dr. Cornelissen guten Gewissens verneinen. Denn Dialektsprecher beherrschen neben dem Hochdeutschen, dem Englischen und möglichen anderen Idiomen mit dem “Platt” eine weitere Sprache, die über einen eigenen speziellen Wortschatz und eine eigene Grammatik verfügt.

Das Vorurteil, Dialektsprecher seien weniger gebildet, sei inzwischen einer neuen Hochachtung für die “Moddersproch” gewichen. Sprachdünkel sei weitgehend abgebaut, aber es gäbe noch eine oft beobachtete Sprachscham jener, welche die Mundart beherrschten, sie aber “versteckten”, weil damit der Geruch von “Unbildung” befürchtet werde. Dr. Cornelissen verschwieg aber auch ein Problem nicht: Kinder, die bis zu ihrer Einschulung nur “Platt” im Elternhaus gelernt hätten, könnten in der Schule Schwierigkeiten mit dem richtigen Gebrauch von Artikeln bekommen. Denn diese seien manchmal bei der “Moddersproch” und im Hochdeutschen nicht kongruent. Also: im Kinderalter beides lernen! “Moddersproch” und hochdeutsch.

„Dialektsprecher“ und „Dialektforscher“: Reiner Spiertz, Moderator und Initiator der Veranstaltung, im Dialog mit Professor Cornelissen

„Dialektsprecher“ und „Dialektforscher“: Reiner Spiertz, Moderator und Initiator der Veranstaltung, im Dialog mit Professor Cornelissen

Nicht nur Rudolf Bast, jetzt Ehrenvorsitzender und vor 39 Jahren Gründungsvorsitzender des Alsdorfer Geschichtsvereins, verbindet mit der Veranstaltung die Hoffnung, die 1980 gegründete und vor wenigen Jahren “eingeschlafene” Mundartgruppe des Alsdorfer Geschichtsvereins wieder zu beleben. Er nannte als Namen der ersten Stunde die inzwischen Verstorbenen Hans Gohr, Hein Küsters, Maria Esten und Martha Beck. Von Bernd Honneff, Reiner Spiertz (Wardener Mundart) und Professor Hermann Engels (Schaufenberger Mundart) stammten neuere Publikationen über die Vielfalt Alsdorfer Mundarten.

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Nach den wissenschaftlichen und geschichtlichen Ausführungen zur Mundart folgten dann Kostproben derselbigen. Den Reigen eröffnete Rudolf Bast mit dem Gedicht „De Zoppekomp“. Im Beisein dessen Sohnes Kaspar Honneff spielte Geschichtsvereins-Archivar Eberhard Malecha, der einen kurzen Vortrag über die Arbeit des Archivs gehalten hatte, auf Tonträger mundartliche Betrachtungen des Alsdorfer Künstlers Bernd Honneff (1909-1987) über seine Kindheit in Kellersberg – konkret: im Kriegsjahr 1917 – ein.

Schließlich steuerte auch Geschichtsvereins-Mitglied Dr. Franz Schneider, aufgewachsen mit der Mundart seiner Mutter und dem Tonfall seines Vaters aus Österreich sowie ein Großneffe des Alsdorfer Mundartforschers Gottfried Nießen, einige Gedichte in Alsdorfer “Moddersproch” bei.. Reiner Spiertz, seines Zeichens auch Geschäftsführer der Senioren-Union Alsdorf, rezitierte abschließend eigene Wardener Gedichte und ließ Hoengener (Michel Büttgen) und Mariadorfer (Toni André) Mundart lebendig werden.

Fazit: ein gelungener Nachmittag, der die Hoffnung auf die Wiederbelebung der “Moddersproch” in Alsdorf weckt!

(Text: jope / Bilder: F.-J. Müller)

(Text: jope / Bilder: F.-J. Müller)

Reiner Spiertz, Dr. Franz Schneider mit „Titschop“ und Rudolf Bast

Reiner Spiertz, Dr. Franz Schneider mit „Titschop“ und Rudolf Bast

Der Klappzylinder, in Alsdorfer Mundart „Titschop“, war dem Vortrag des Gedichtes von Karl Kempchen „D’r aue Titschop“ durch Dr. Franz Schneider geschuldet:

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Veröffentlichungen der Mundartgruppe des Alsdorfer Geschichtsvereins:

  • Eigene Ausgaben

 

Wöet un Verzällcher op Alsdörper Platt, Alsdorfer Geschichtsverein 1985, 62 S. (eine Sammlung von „Vokabeln“, Reimen, Gedichten und Geschichten in Alsdorfer Platt)

  • Texte in den Jahresblättern des Alsdorfer Geschichtsvereins

 

Hubert Maqua: Alsdorfer Platt als Teil der Mundarten des Aachener Landes, Jahresblätter 1982, S. 51-62

Hein Küsters: Mundart für Anfänger, Jahresblätter 1982, S. 63 – 65

Einige Wörter der Alsdorfer Mundart, die ihren Ursprung in der französischen Sprache haben, Jahresblätter 1985, S. 60-63

Alsdorfer Platt von A bis Z (Alsdörper Paltt va A beß Z (Vokabeln und Redewendungen nach Themen sortiert), Jahresblätter des Alsdorfer Geschichtsvereins 2013/2014, S. 165 bis 215)

 

Weitere Titel zur Alsdorfer Mundart

Hermann Engels:

Vokabular des Alsdorf-Schaufenberger Dialekts, Versuch einer Bestandsaufnahme, Alsdorf 2012

Weitere Titel unter Findbuch Alsdorfer Geschichtsverein unter „Mundart“