{"id":327,"date":"2017-01-16T12:58:46","date_gmt":"2017-01-16T12:58:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/?p=327"},"modified":"2017-01-16T12:58:46","modified_gmt":"2017-01-16T12:58:46","slug":"fuerst-metternich-skeptischer-und-weitsichtiger-europaeer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/?p=327","title":{"rendered":"F\u00fcrst Metternich: Skeptischer und weitsichtiger Europ\u00e4er"},"content":{"rendered":"<p><strong>Weit mehr als nur &#8222;reaktion\u00e4r&#8220;<br \/>\nF\u00fcrst Metternich: skeptischer und weitsichtiger Europ\u00e4er<\/strong><\/p>\n<p>Von Joachim Peters<\/p>\n<p>Der Autor besprach im Rahmen des Programms &#8222;Mitglieder des Alsdorfer Geschichtsvereins stellen neue B\u00fccher vor&#8220;\u00a0am Donnerstag, 8. Dezember, 19.30 Uhr, in der Stadtb\u00fccherei der Stadthalle Alsdorf:<br \/>\nWolfram Siemann, Metternich. Stratege und Vision\u00e4r. C.H.Beck-Verlag M\u00fcnchen 2016, rund 1000 Seiten (inklusive Karten, Anmerkungen und Literaturverzeichnis).<\/p>\n<p>1. Ein Historiker sagte und schrieb j\u00fcngst, dass alle paar Generationen die Geschichte eines gro\u00dfen Mannes umgeschrieben\u00a0werden muss &#8211; zwar nicht im Sinne einer Total-Revision, aber in dem Sinne, dass eine bisher weitgehend unbearbeitete Seite des Portr\u00e4tierten st\u00e4rker in den Vordergrund ger\u00fcckt wird oder werden sollte.<br \/>\nAls Ma\u00dfstab gilt dabei ein Zeitabstand von rund 30 Jahren. So verortete im Falle Bismarcks etwa Lothar Gall\u00a0Anfang der achziger Jahre den Helden seiner Biografie in das b\u00fcrgerliche Zeitalter und nannte ihn einen\u00a0bewahrenden, wei\u00dfen &#8211; im Gegensatz zu einem roten &#8211; Revolution\u00e4r.<br \/>\nJohannes Willms dagegen sah Bismarck 30 Jahre sp\u00e4ter sehr kritisch als &#8222;D\u00e4mon der Deutschen&#8220;, der eine\u00a0verh\u00e4ngnisvolle Machtpolitik in Gang gesetzt habe. \u00c4hnliche Schwankungen gibt es im Bilde Napoleon Bonapartes. \u00dcber einen Staatsmann dagegen schien schon seit der bahnbrechenden Biografie des \u00d6sterreichers Heinrich Sbrik\u00a0vor 91 Jahren schon alles gesagt: Clemens F\u00fcrst von Metternich wurde der Nachwelt als Opprtunist ohne\u00a0Grunds\u00e4tze, als intriganter Strippenzieher beim Wiener Kongress, als reaktion\u00e4r und Begr\u00fcnder eines<br \/>\nGedankenfreiheit mundtot machenden Polizeistaates \u00fcberliefert. Ich selbst erinnere mich noch an den Geschichtsunterricht zu Ende der Mittelstufe, als Metternich als Personifikation des R\u00fcckw\u00e4rtsgewandten in den Schulb\u00fcchern erschien, w\u00e4hrend die nationale Bewegung vom Wartburgfest bis hin zur Frankfurter Paulskirchen-Versammlung als das schlichtweg Positive und Fortschrittliche hingestellt wurde.<\/p>\n<p>2. Rund ein Jahrhundert also nach der letzten Metternich-Biografie, unter Ber\u00fccksichtigung bisher unbearbeiteter diplomatischer Quellen und privaten Aufzeichnungen Metternichs sowie im j\u00fcngsten Erleben der bedenklichen Seiten eines aggressiven Nationalismus und einer aus den Fugen geratenen Welt, hat der Historiker Wolfram Siemann j\u00fcngst ein Werk vorgelegt, das m.E. Epoche machen wird.<br \/>\nDer im westf\u00e4ischen Witten geborene, emeritierte Professor f\u00fcr Neue und Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen nennt seine im Februar diesen Jahres im C.H. Beck-Verlag erschienene Biografie:<br \/>\n<strong>Metternich &#8211; Stratege und Vision\u00e4r.<\/strong><br \/>\nDer Untertitel verr\u00e4t bereits, dass man nach der geduldigen, aber jederzeit spannenden und lohnenden Lekt\u00fcre des 875-Seiten-Werkes sein \u00fcberkommenes Metternich-Bild \u00e4ndern sollte. Zwar kann man auch nach der Lekt\u00fcre nicht wegdiskutieren, dass das Herrschaftssystem des leitenden \u00f6sterreichischen Staatsministers Clemens F\u00fcrst Metternich einen Polizei- und \u00dcberwachungsstaat hervorbrachte, der vor allem nach den preu\u00dfisch-\u00f6sterreichischen &#8222;Karlsbader Beschl\u00fcssen&#8220; von 1819 auf andere Staaten des 1815 begr\u00fcndeten Deutschen Bundes ausstrahlte. Doch das Buch von Wolfram Siemann weist sowohl nach, dass ein Polizeistaat im 19. Jahrhundert in der \u00dcberwachung seiner Untertanen<br \/>\nvon der Idee wie der Durchf\u00fchrung weit weniger effizient und l\u00fcckenlos war, wie autorit\u00e4re Systeme noch j\u00fcngerer Staaten, wie etwa die DDR mit ihrer Stasi &#8211; von totalit\u00e4ren Systemen ganz zu schweigen. Zudem stammt die \u00dcbernahme \u00fcberwachungsstaatlicher Ma\u00dfnahmen nicht vom vormodernen ancien regime, als dessen Fortsetzung die Metternichsche &#8222;Restauration&#8220; &#8211; f\u00e4lschlicherweise &#8211; gesehen wird.<br \/>\nNetzwerkartige \u00dcberwachung, Repressionen gegen Andersdenkende hat es in perfekterer Weise schon unter Metternichs Gegenspieler Napoleon gegeben, der wiederum auf Vorbilder der Franz\u00f6sischen Revolution zur\u00fcckgriff. Im \u00fcbrigen: Der sich zu systematischem Terror steigernde Polizeistaat war eine Frucht fanatischer \u00dcberdreher der Ideen von Freiheit-Gleichheit-Br\u00fcderlichkeit, und nicht des \u00fcberkommenen B\u00fcndnisses von Thron und Altar.<\/p>\n<p>3.\u00a0Die Wiederherstellung dieses B\u00fcndnisses von Thron und Altar (Stichwort: &#8222;Heilige Allianz&#8220;) und die Installierung eines M\u00e4chte-Gleichgewichtes in Europa (Stichwort: &#8222;Pentarchie&#8220;) waren f\u00fcr Metternich als Hauptarchitekten des Wiener Kongresses 1815 und der nach-napoleonischen Friedensordnung Hauptziele. Es ging ihm dabei nicht um die 1-1-Wiederherstellung der Verh\u00e4ltnisse vor 1789.<br \/>\nDer weitgereiste Diplomat an den H\u00f6fen in Dresden und Berlin sowie beim Empereur Napoleon in Paris war sich bewusst, dass sich die sozialen Verh\u00e4ltnisse grundlegende ge\u00e4ndert hatten und dass der europ\u00e4ische Adel &#8211; dem er als Reichsgraf einer urspr\u00fcnglich aus Koblenz stammenden Familie in kaiserlichen Diensten angeh\u00f6rte &#8211; durch Reformunwilligkeit die Revolution von 1789 mit herbeigef\u00fchrt<br \/>\nhatte. Als Vorbild einer gelungenen Verbindung von alt und neu &#8211; von Tradition und Reform &#8211; sah er das konstitutionelle System in Gro\u00dfbritannien mit Monarchie und Parlamentarismus an. &#8222;Wenn ich nicht \u00d6sterreicher w\u00e4re, w\u00fcrde ich gerne ein Engl\u00e4nder sein&#8220;, sagte der begeisterte England-Reisende, der gemeinsam mit seinem fr\u00fcheren Au\u00dfenminister-Kollegen und pers\u00f6nlichen Freund Castlereagh die Strippen auf dem Wiener Kongress zog. Allerdings war Metternich kein Engl\u00e4nder, sondern musste die Eigent\u00fcmlichkeiten der Habsburger-Monarchie mit ihren dynastischen Interessen und ihren verschiedenen V\u00f6lkern ber\u00fccksichtigen.<br \/>\nMetternich strebte einen f\u00f6derativen Staat, der historische Traditionen ber\u00fccksichtigte, unter einer starken Spitze an. Die Ideen von politischem Liberalismus und &#8222;V\u00f6lkerfr\u00fchling&#8220;, der 1848 zu Aufst\u00e4nden und Revolutionen f\u00fchrte und Metternich nach fast drei Jahrzehnten sein Amt als Staatskanzler kosteten, lehnte er ab, weil sie zum Sprengsatz der Vielv\u00f6lker-Monarchie werden w\u00fcrden. Metternich hatte die Sprengkraft eines aggressiven Nationalismus, der unter der ideellen oder ideologischen Fahne freiheitlicher Ideen und unter F\u00fchrung eines charismatisch-d\u00e4monischen Feldherrn marschiert, hautnah erlebt. In die Zukunft projiziert, sp\u00fcrte er die Angst, dass Liberalismus und Nationalismus erneut die Brandfackel nach Europa tragen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>4. Die alte Sichtweise sieht in Metternich den Hauptvertreter einer europ\u00e4ischen Politik herzloser V\u00f6lkerunterdr\u00fcckung. Gewiss, unter Metternichs Regie wurden Erhebungen im habsburgischen Italien niedergeschlagen. Seine Polizei verhinderte Solidarisierungen in Deutschland f\u00fcr den polnischen Aufstand 1830 gegen die zaristische Besatzung. Er war der Meinung, dass die Entstehung weiterer Staaten die Wiener Nachkriegsordnung und damit das nach der Hegemonie Napoleons m\u00fchsam wiederhergestellte Gleichgewicht Europas gef\u00e4hrden k\u00f6nnten.<br \/>\nAllenfalls eine Art kulturelle Autonomie innerhalb der \u00fcbernationalen M\u00e4chte Russland, \u00d6sterreich-Ungarn, T\u00fcrkei und Preu\u00dfen konnte sich Metternich vorstellen. Die erreichte er etwa f\u00fcr das polnische Galizien innerhalb der Habsburger-Monarchie. Russland selbst, das als Verb\u00fcndeter im Gleichgewichtssystem unverzichtbar war, konnte und wollte er indes gleiches f\u00fcr dessen polnische Besitzungen nicht vorschreiben. Das F\u00fcrstentum Warschau und der Moskowiter Thron waren in Personalunion vereint &#8211; zweifellos eine sehr fragw\u00fcrdige &#8222;Autonomie&#8220;! Realpolitik und Verantwortungsethik im Sinne Max Webers hatten bei Metternich immer Vorrang vor einer Gutmensch-Rhetorik, die Freiheit und Rechte der Nationen absolut setzte und dabei auch internationale Verwicklungen und Kriege in Kauf nahm. Metternich geh\u00f6rte daher auch zu den wenigen, der sich innerlich nicht entz\u00fcnden lie\u00dfen,\u00a0 als die Griechen in den 1820-er Jahren die &#8222;Fackel der nationalen Befreiung&#8220; nahmen, wie\u00a0 es damals pathetisch hie\u00df. Zum einen, weil durch die Herausl\u00f6sung Griechenlands aus\u00a0dem Osmanischen Reich ein Imperium des Gleichgewichtssystems geschw\u00e4cht und ein anderes &#8211; Russland &#8211; gef\u00e4hrlich gest\u00e4rkt wurde. Mit russischer Waffenhilfe und der Unterst\u00fctzung Englands, das inzwischen mehr Gesinnungs- als Realpolitik betrieb &#8211; entstand der<br \/>\nneuhellenische Staat und in dessen Verfolg dehnte Russland auch seinen Einfluss in den von orthodoxen Christen bewohnten Territorien des Osmanischen Reiches aus. Dieser von idealistischen Parolen wie &#8222;Befreiung der Glaubensbr\u00fcder&#8220; und &#8222;Befreiung der slawischen V\u00f6lker&#8220; begleitete russische Imperialismus f\u00fchrte durch Gebietsverluste der T\u00fcrkei und der Destabilisierung der Habsburgermonarchie im Innern durch slawisch-nationalistische Agitatoren mit zu den Folgen, die 1914 in den Ersten Weltkrieg einm\u00fcndeten.<\/p>\n<p>5. Metternich hat als wahrhafter Europ\u00e4er diese Gefahren fr\u00fch gesehen. Sein Biograf nennt ihn einen &#8222;Vormodernen&#8220; und einen &#8222;Postmodernen&#8220; &#8211; und daher war er kein &#8222;Zeitgem\u00e4\u00dfer&#8220; im freiheitsdurstigen nationalistischen 19. Jahrhundert. &#8222;Vormodern&#8220; war er insofern, als er als Reichsgraf, der in Frankfurt noch zwei Kaiserkr\u00f6nungen erlebte, dem alten \u00fcberkommenden System angeh\u00f6rte. Dieses System war das Heilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation, das nach seinem Ende 1806 quasi transformiert wurde in das Kaiserreich \u00d6sterreich. Der letzte r\u00f6misch-deutsche Kaiser Franz 2. wurde der \u00f6sterreichische Kaiser Franz 1., mit dem Metternich eine seltene private Freundschaft und politische Loyalit\u00e4t verband. Es war ein Vertrauens-Verh\u00e4ltnis, vergleichbar etwa dem von F\u00fcrst Bismarck und Kaiser Wilhelm I. Das Heilige R\u00f6mische Reich war kein nationalistisches, sondern ein \u00fcbernationales Imperium. Es gab darin Territorien wie unser fr\u00fcheres Herzogtum Limburg, in dem deutsch, niederl\u00e4ndisch und franz\u00f6sisch gesprochen wurde. Sprache, Herkunft oder gar Rasse waren kein Unterscheidungsmerkmal f\u00fcr Untertanen oder B\u00fcrger eines Territoriums im Heiligen R\u00f6mischen Reich Deutscher Nation. Metternich dachte und sprach kosmopolitisch. Wenngleich auch in altert\u00fcmlichen standesm\u00e4\u00dfigen Vorstellungen befangen, war Metternichs Denken auch wieder modern, europ\u00e4isch. In heutiger Zeit w\u00e4re er sowohl ein Gegner eines europ\u00e4ischen Hegemons als auch nationaler Ausw\u00fcchse und Alleing\u00e4nge gewesen. Gleichgewichtspolitik (&#8222;The balance of power&#8220;, &#8222;equilibrium&#8220;) und Krisenmanagement w\u00e4ren wohl seine Sache gewesen. Wobei zu einem europ\u00e4ischen Krisenmanagement auch eine Autorit\u00e4t geh\u00f6ren m\u00fcsste und muss, wie sie damals ein hochgebildeter und mit Geschichte und \u00d6konomie gleicherma\u00dfen vertrauter Diplomat wie Metternich war.<\/p>\n<p>6. Metternich erkannte fr\u00fch die Gefahren eines aggressiven oder intoleranten Nationalismus, mochte der noch so idealistisch daherkommen. Denn es gibt kaum Staaten in Europa, die sich rein auf das Kriterium &#8222;Nation&#8220; zur\u00fcckf\u00fchren lassen. Besonders im Osten gibt es viele Minderheiten &#8211; die Ungarn in Rum\u00e4nien, die Bulgaren in Griechenland, die Serben im Kosovo &#8211; und ein strikter Nationalismus w\u00fcrde Entrechtung bedeuten, selbst wenn er sich auf Parlamentsbeschl\u00fcsse beziehen w\u00fcrde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Clemens F\u00fcrst Metternich etwa in der Jugoslawien-Krise des 1991 alle diplomatischen Hebel in Bewegung gesetzt h\u00e4tte, um den Zerfall des Vielv\u00f6lkerstaates zu verhindern. er, der in der fr\u00fcheren Geschichtsschreibung als Reaktion\u00e4r geschm\u00e4ht wird, h\u00e4tte diesen Vorwurf freiheitsbewegter Nationalisten an sich abprallen lassen. Ein Jugoslawien in der Tradition Titos, zwar straff und daher nicht westlich-demokratisch, sprich politisch korrekt, geleitet, aber die Rechte der unterschiedlichen Nationen und damit auch Religionen respektierend, h\u00e4tte er dem darauf folgenden Freiheitskampf, erk\u00e4mpft zu hehren Parolen und unter ethnischen Gr\u00e4ueln, vorgezogen.<br \/>\nF\u00fcrst Metternich h\u00e4tte, w\u00e4re er Zeuge des &#8222;V\u00f6lkerfr\u00fchlings&#8220; vom Fall der Berliner Mauer bis zum Ende Jugoslawiens oder auch der Sowjetunion geworden, die Worte eines sensiblen Zeitgenossen und Landsmannes zitiert. Der Dichter Franz Grillparzer, ein Kenner der komplizierten Geschichte des alten multinationalen Habsburgerreiches, bef\u00fcrchtete noch zu Lebzeiten des F\u00fcrsten: &#8222;Der Weg der modernen Bildung f\u00fchrt von der Humanit\u00e4t \u00fcber die Nationalit\u00e4t zur Bestialit\u00e4t&#8220;.<\/p>\n<p>7. Nicht nur im politischen, auch im wirtschaftlich-sozialen Bereich l\u00e4sst sich das Vorurteil von Metternich als &#8222;Reaktion\u00e4r&#8220; nach der Lekt\u00fcre des Buches von Wolfram Siemann nur schwerlich aufrecht erhalten. Durch die Franz\u00f6sische Revolution, die Mediatisierungen und S\u00e4kularisierungen des Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und die territoriale Arrondierung des durch Napoleon zum K\u00f6nigtum erhobenenen fr\u00fcheren Herzogtums W\u00fcrttemberg waren der Familie Metternich alte Besitzungen an Rhein und Mosel ebenso verlorengegangen wie das als Ersatz daf\u00fcr zugesprochenene F\u00fcrstentum Ochsenhausen, das in den 1820-er Jahren endg\u00fcltig an das K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg fiel. Als Kompensation daf\u00fcr erhielten die Metternichs &#8211; F\u00fcrst Clemens war 1821 seinem Vater als Oberhaupt des Familienbesitzes nachgefolgt &#8211; in B\u00f6hmen zus\u00e4tzliche G\u00fcter zugewiesen. Nach dem Verlust der rheinischen Gebiete in den 1790-er Jahren war der Besitz im b\u00f6hmischen K\u00f6nigswart Mittelpunkt der Familie geworden, die damit auch r\u00e4umlich n\u00e4her an den Wiener Hof heranr\u00fcckte.<br \/>\nNun kam nach dem Wiener Kongress die nahegelegene Dom\u00e4ne Plass hinzu, wo sich seitdem auch die Familiengruft der von Metternichs befindet. Im b\u00f6hmischen Plass entwickelte sich Metternich zu einem fr\u00fchindustriellen Fabrikanten und Unternehmer, f\u00f6rderte in Bergwerken Erz und Steinkohle zutage. Der scheinbar r\u00fcckst\u00e4ndige und agrische Reichsgraf erwies sich hierin als fortschrittlich. Die Erfahrungen und Beobachtungen in England bei seinen verschiedenen Reisen folgten dabei zu Nachahmungen dort, wo er sie f\u00fcr n\u00f6tig befand ebenso wie zur<br \/>\nAblehnung von Ausw\u00fcchsen des Manchester-Kapitalismus und seiner Pauperisierung der Arbeiter. Metternich verstand sich im altert\u00fcmlichen wie v\u00e4terlichen Sinne als &#8222;Sozialpatriarch&#8220; &#8211; als zwar keine Kritik duldender Herr seiner Arbeiter, aber gleichzeitig als f\u00fcrsorglicher Patron, der das Auskommen seiner Untertanen sicherte und dabei Anf\u00e4nge f\u00fcr das legte, was wir heute sozialen Wohnungsbau nennen. Solche Arbeiter &#8211; und das war der positive Nebeneffekt &#8211; w\u00e4ren und waren auch weniger f\u00fcr die Ideen der Revolution anf\u00e4llig, die Metternich neben den Ausw\u00fcchsen des Nationalismus bekanntlich \u00fcber alles f\u00fcrchtete.<\/p>\n<div id=\"attachment_324\" style=\"width: 430px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/buchvorstellung_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-324\" class=\"size-thumbnail wp-image-324\" src=\"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/buchvorstellung_1-420x420.jpg\" alt=\"Joachim Peters bei seiner Vorstellung\" width=\"420\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/buchvorstellung_1-420x420.jpg 420w, https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/buchvorstellung_1-744x744.jpg 744w, https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/buchvorstellung_1-1200x1200.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-324\" class=\"wp-caption-text\">Joachim Peters bei seiner Vorstellung<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weit mehr als nur &#8222;reaktion\u00e4r&#8220; F\u00fcrst Metternich: skeptischer und weitsichtiger Europ\u00e4er Von Joachim Peters Der Autor besprach im Rahmen des Programms &#8222;Mitglieder des Alsdorfer Geschichtsvereins stellen neue B\u00fccher vor&#8220;\u00a0am Donnerstag, 8. 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