{"id":389,"date":"2017-09-30T09:35:56","date_gmt":"2017-09-30T09:35:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/?p=389"},"modified":"2017-11-30T16:53:38","modified_gmt":"2017-11-30T16:53:38","slug":"als-die-reformation-ihre-unschuld-verlor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/?p=389","title":{"rendered":"Als die Reformation ihre Unschuld verlor"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_390\" style=\"width: 431px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Von_der_Freiheit_eines_Christenmenschen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-390\" class=\"wp-image-390\" src=\"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Von_der_Freiheit_eines_Christenmenschen-420x585.jpg\" alt=\"Von der Freihaitt Aines Christenmenschen\" width=\"421\" height=\"585\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-390\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Von der Freihaitt Aines Christenmenschen&#8220; von Martin Luther. Gedruckt von J\u00f6rg Nadler, N\u00fcrnberg, 1520 (\u00d6sterreichische Nationalbibliothek, Sign. *35.R.181)<br \/> Von Wolfgang Sauber &#8211; Eigenes Werk, <a title=\"Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\">CC BY-SA 3.0<\/a>, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=10488543\">Link<\/a><\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wilfried Egerland referierte \u00fcber Luthers Schrift &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220; und ihre Folgen<\/p>\n<p><strong>Von Joachim Peters<\/strong><\/p>\n<p>Wilfried Egerland, aktives Mitglied im W\u00fcrselener Geschichtskreis, beendete mit seinem Referat \u00fcber Luthers Schrift &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220; aus dem Jahre 1520 die Vortragsreihe des Alsdorfer Geschichtsvereins zum Jubil\u00e4umsjahr &#8222;500 Jahre Reformation&#8220;. Der pensionierte Deutsch- und Erdkundelehrer arbeitete dabei im gut besuchten St. Castorhaus akribisch an der schriftlichen Quelle die Grundaussagen der Schrift heraus. Dann beleuchtete er ihre Folgen und ordnete sie in den Gesamtgang der Reformation ein.<\/p>\n<p><strong>Epochenjahr 1520<\/strong><\/p>\n<p>In vielerlei Hinsicht, so Egerland, war &#8222;1520&#8220; ein bedeutsames Jahr f\u00fcr die von Luthers Wittenberger Thesenanschl\u00e4gen (1517) ausgehende Reformation in Deutschland. In diesem Jahr n\u00e4mlich entstanden gleich drei wichtige Schriften Luthers: &#8222;An den christlichen Adel Deutscher Nation&#8220;, &#8222;Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche&#8220; und eben &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220;. Alle drei Schriften bezeichnete Egerland dank des Gutenbergischen Buchdrucks als damalige &#8222;Bestseller&#8220;, wobei die Wortgewalt Luthers ein Weiteres f\u00fcr die Verbreitung und Wirkung seiner darin vertretenen Ideen tat. &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220; gibt es in zwei Fassungen &#8211; deutsch und lateinisch -, wobei die lateinische Fassung Papst Leo X. mit einem Anschreiben zugesandt wurde. 1520 ist auch das Jahr, in dem Papst Leo seine Bann-Androhungsbulle gegen die Schriften und die Predigten Luthers verfasste. Rein rhetorisch ist &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220; gem\u00e4\u00dfigter abgefasst als die anderen Schriften, wenngleich ihre Folgen bis hin zu den gewaltsamen Bauernkriegen von 1525 reichte. Die dialektischen Leits\u00e4tze der Schrift lauten: &#8222;Ein Christenmensch ist ein freier Herr \u00fcber alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan&#8220;. Luther vertritt eine Zwei-Naturen-Lehre des Menschen und erkennt eine geistliche Natur (Seele, der innere Mensch) und eine fleischliche Natur (K\u00f6rper, \u00e4u\u00dferer Mensch). Auf die Frage: &#8222;Was macht den geistlichen Menschen frei?&#8220; gibt Luther die Antwort: &#8222;Allein das Evangelium, das Wort Gottes, das von Christus spricht&#8220;. Allein der Glaube mache frei. Zwar enthalte die &#8222;Gesetz&#8220; (das\u00a0 Alte Testament) Handlungsanweisungen. Aber der Mensch sei nie in der Lage, diese vollkommen zu erf\u00fcllen, was die Gefahr der Verzweiflung beinhalte. Seligkeit und Gerechtigkeit k\u00f6nne er nur durch die Gnade Gottes, die ein Geschenk sei, erreichen. Dese Verhei\u00dfung lehre das Neue Testament. Damit sei der Mensch frei vom religi\u00f6sen Leistungszwang, sich sein Heil bei Gott selbst VERDIENEN zu m\u00fcssen. Der Glaube (sola fide) und die selbstlose Motivation bei den Handlungen sei das Entscheidende, nicht der Erfolg. Grundlage aller Freiheit aber, so postuliert Luther, sei die Bindung an Gott.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Gedenkjahr&#8220;, aber nicht &#8222;Jubil\u00e4umsjahr&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wenngleich moderat in den Formulierungen, bot &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220; auch Sprengstoff f\u00fcr die vom M\u00fchlhausener Theologen und Reformator Thomas M\u00fcntzer angefachten Bauernkriege. &#8222;Ein Christenmensch ist ein freier Herr \u00fcber alle Dinge und niemand untertan&#8220;. Dies verstand Thomas M\u00fcntzer auch als Aufforderung zur \u00c4nderung der sozialen, politischen Realit\u00e4t. Dem widersprach aber Luthers von Paulus \u00fcbernommene Lehre: Seid untertan der Obrigkeit! Hatte Luther anfangs noch sowohl Kritik an den ausbeuterischen F\u00fcrsten und Grundherren wie an den aufst\u00e4ndischen Bauern ge\u00fcbt, so erging er sich sp\u00e4ter in uns\u00e4glichen Schriften und Reden gegen die &#8222;aufr\u00fchrerischen Rotten&#8220;, bis hin zur Aufforderung zu ihrer Ausrottung mit Feuer und Schwert. Die Reformation und der Reformator Luther hatten damit ihre anf\u00e4ngliche Unschuld verloren. Egerland: &#8222;Eine Entfremdung zwischen Luther und dem Volk begann. Um Luther herum wurde es einsam. Und aus einer Volksreformation wurde eine F\u00fcrstenreformation mit den Landesherren als obersten Bisch\u00f6fen&#8220;. Aufgrund der Exzesse der Reformation spreche er auch lieber von einem Reformations-&#8222;Gedenkjahr&#8220; anstatt von einem Reformations-&#8222;Jubil\u00e4umsjahr&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wilfried Egerland referierte \u00fcber Luthers Schrift &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220; und ihre Folgen Von Joachim Peters Wilfried Egerland, aktives Mitglied im W\u00fcrselener Geschichtskreis, beendete mit seinem Referat \u00fcber Luthers Schrift &#8222;Von der Freiheit eines Christenmenschen&#8220; aus dem Jahre 1520 die Vortragsreihe des Alsdorfer Geschichtsvereins zum Jubil\u00e4umsjahr &#8222;500 Jahre Reformation&#8220;. 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