{"id":42,"date":"2006-06-17T14:03:19","date_gmt":"2006-06-17T14:03:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/?p=42"},"modified":"2015-03-21T06:40:39","modified_gmt":"2015-03-21T06:40:39","slug":"einfuehrender-vortrag-zur-exkursion-des-alsdorfer-geschichtsverein-nach-aldenbiesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/?p=42","title":{"rendered":"Einf\u00fchrender Vortrag zur Exkursion des Alsdorfer Geschichtsverein nach Aldenbiesen"},"content":{"rendered":"<p>Von Joachim Peters<\/p>\n<p>Einf\u00fchrender Vortrag zur Exkursion des Alsdorfer Geschichtsverein nach Aldenbiesen\/Belgien am Samstag, 17. Juni 2006<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<br \/>\ndrehen wir f\u00fcr einige Minuten die Zeit um rund 800 Jahre zur\u00fcck. Wir schreiben das Jahr 1190 und befinden uns im Heiligen Land. Dort f\u00fchrt die abendl\u00e4ndische Christenheit ihren dritten Kreuzzug gegen die &#8222;UNGL\u00c4UBIGEN&#8220;, den Islam. Im Lager des christlichen Heeres vor AKKON w\u00fcten Hunger und Seuchen. Da gr\u00fcnden L\u00fcbecker und Bremer Kaufleute mit Hilfe ihrer Schiffssegel ein Lazarett f\u00fcr ihre deutschen Landsleute. Die Pflege der Kranken wird einer Laienbruderschaft \u00fcbertragen. Sie nennt sich &#8222;Br\u00fcder vom Hospital der Deutschen in Jerusalem, das der heilgen Maria geweiht ist&#8220;. Sp\u00e4ter wird nur noch vom &#8222;DEUTSCHEN ORDEN&#8220; oder &#8222;DEUTSCHEN RITTERORDEN&#8220; die Rede sein.<br \/>\nEin Ritterorden, der m\u00f6nchisches Leben, Pflege der Kranken und milit\u00e4rischen Kampf gegen die &#8222;Ungl\u00e4ubigen&#8220; miteinander verbindet, ist der DEUTSCHE ORDEN dann seit 1199. In diesem Jahr weist ihm Papst Innozenz III. diese Aufgaben ausdr\u00fccklich zu. Der Papst gibt dem DEUTSCHEN ORDEN die Regel der JOHANNITER f\u00fcr die Krankenpflege, die Regel der TEMPLER f\u00fcr den Heidenkampf. Vom TEMPLERORDEN \u00fcbernehmen die DEUTSCHORDENSRITTER auch \u00c4u\u00dferliches: das wei\u00dfe Gewand mit dem schwarzen Kreuz.<br \/>\nIm Verlauf seiner weiteren Geschichte erwirbt der DEUTSCHE ORDEN, der sich vorwiegend aus dem niederen Adel rekrutiert, Stiftungen und Schenkungen au\u00dferhalb seines urspr\u00fcnglichen Aktionsgebietes Pal\u00e4stina. Sp\u00e4testens seit dem Fall Akkons 1291 und dem Verlust des Heiligen Landes liegt der Schwerpunkt der Ordenst\u00e4tigkeit in PREUSSEN. 1225 ruft der polnische Herzog KONRAD VON MASOWIEN den DEUTSCHEN ORDEN zu milit\u00e4rischer und missionarischer Hilfe gegen die heidnischen PRUZZEN in sein Land. Dem DEUTSCHEN ORDEN gelingt es, in den von ihm eroberten Gebieten ein eigenes Herrschaftsgebiet aufzubauen: den PREUSSISCHEN ORDENSSTAAT. Der Hochmeister des Deutschen Ordens nimmt als nunmehr souver\u00e4ner Herrscher 1309 seinen Sitz auf der MARIENBURG bei Danzig. Als die eigentlichen Missionsaufgaben des DEUTSCHEN ORDENS im Osten erf\u00fcllt sind, ger\u00e4t er in machtpolitische Konflikte mit dem POLNISCH-LITAUISCHEN GROSSREICH. In der (1.) Schlacht von TANNENBERG (Grunwald) muss der DEUTSCHE ORDEN am 15. Juli 1410 eine entscheidende Niederlage gegen das polnisch-litauische Heer hinnehmen. Nach einem weiteren, 13 Jahre andauernden Krieg gegen Polen und eigene aufst\u00e4ndische Untertanen verliert der Ordensstaat im FRIEDEN VON THORN 1466 den westlichen Teil seines Landes. Das Ende des alten Ordensstaates l\u00e4utet Hochmeister MARKGRAF ALBRECHT VON BRANDENBURG 1525 mit dem \u00dcbertritt zur Reformation selbst ein: Der Ordensstaat wird ein s\u00e4kulatisiertes, erbliches und von Polen lehensabh\u00e4ngiges Herzogtum. Zu diesem Zeitpunkt ist wahrlich noch nicht absehbar, dass dieses von Polen abh\u00e4ngige Preu\u00dfen einmal zur &#8222;Nummer 1&#8220; im Deutschen Reich und sogar zu einer europ\u00e4ischen\u00a0 Macht aufsteigen wird.<br \/>\nDer Machtverlust im Osten tut den Besitzungen des DEUTSCHEN ORDENS im Deutschen Reich keinen Abbruch. Der Hochmeistersitz wechselt von der Marienburg nach MERGENTHEIM. Der Zusammenbruch erfolgt erst mit der Aufhebung des Ordens durch NAPOLEON im Jahre 1809. Aber es ist keine endg\u00fcltige Vernichtung: 1835 ersteht der DEUTSCHE ORDEN als habsburgischer &#8222;Hausorden&#8220; &#8211; Hochmeister sind immer \u00f6sterreichische Prinzen &#8211; neu. Seit 1934 ist er ein rein geistlicher Orden, dessen Br\u00fcder wir in Deutschland, \u00d6sterreich und in den Nachfolgestaaten des fr\u00fcheren Jugoslawien finden.<br \/>\nWir brauchen unseren Blick nicht in die Ferne zu lenken, um auf Spuren der 800-j\u00e4hrigen Geschichte des DEUTSCHEN ORDENS zu sto\u00dfen. Unweit von Maastricht, aber schon auf belgischem Boden, liegt im Tale einer sch\u00f6nen Landschaft, die BALLEI von ALDENBIESEN. Dort schenkten im Jahre 1220\u00a0 ARNULF II., Graf von Loon, und seine Schwester MECHTILDIS, \u00c4btissin der benachbarten Benediktinerabtei Munsterbilzen, dem DEUTSCHEN ORDEN eine Marien-Wallfahrtskapelle mit Lehen und Ackerland. Deutschordensritter errichteten dort ein Haus, das zusammen mit anderen Ordensniederlassungen seit 1228 eine selbst\u00e4ndige Verwaltungseinheit des DEUTSCHEN ORDENS in unserer Region bildete: eine BALLEI. Sie unterstand wie alle zw\u00f6lf Balleien im Reich der Herrschaft jeweils eines LANDKOMTURS. Dieser Komtur verwaltete und bewirtschaftete die Dom\u00e4ne gemeinsam mit dem Konvent aller Ritter. Unterstellt waren die Landkomture, also auch jener von Aldenbiesen, dem jeweiligen Hochmeister des Deutschen Ordens.<br \/>\nDer Aldenbiesener Landkomtur WINAND VAN BREYEL lie\u00df ab 1543 den sp\u00e4tmittelalterlichen Geb\u00e4udebestand der Ballei Aldenbiesen durch ein stattliches, repr\u00e4sentatives WASSERSCHLOSS ersetzen. Sein Nachfolger JAN VAN GOER vollendete das vierfl\u00fcgelige Hauptgeb\u00e4ude und stellte 1571 die dreifl\u00fcgelige Vorburg als Dienstgeb\u00e4ude zum gr\u00f6\u00dften Teil fertig. Im 16. und 17. Jahhrundert stellte sich Aldenbiesen als ein repr\u00e4sentativer Prachtbau dar: eine gepflegte Unterkunft f\u00fcr Ritter, ein solides F\u00fchrungszentrum f\u00fcr die untergeordneten KOMMENDEN, ein ger\u00e4umiger Hof f\u00fcr die Nutzung der eigenen Besitzungen, eine Kapelle vermutlich mit einem Hospital f\u00fcr geistige und leibliche Krankenhilfe, schlie\u00dflich ein Gasthof zur Bewirtung von Fremden.<br \/>\nLandkomtur GRAF HENDRIK VON WASSENAER VAN WARMOND begann in seiner Amtszeit von 1690 bis 1709 damit, das Schloss zu einer SOMMERRESIDENZ umzubauen. Um das Wasserschloss wurden barocke G\u00e4rten angelegt, der nord\u00f6stliche Teil des Schlosses als &#8222;Appartement&#8220; eingerichtet. Davon sind geblieben die Orangerie und das Kabinett mit der homogenen Wandbekleidung. Von Wassenaers Nachfolger, KARDINAL VON SCH\u00d6NBORN, beauftragte schlie\u00dfich den L\u00fctticher Baumeister GILLU DOYEN mit dem Umbau des Wassersclosses zu einer sp\u00e4tbarocken Residenz.<br \/>\nDiesem H\u00f6hepunkt des herrscherlichen Selbstverst\u00e4ndnisses der Aldenbiesener Landkomture folgte rasch der Fall: Am 17. M\u00e4rz 1795 beschlagnahmte die franz\u00f6sische Besatzung Schloss Aldenbiesen. Das Kleinod des Looner Landes wurde 1797 \u00f6ffentlich versteigert und ging in den Privatbesitz des damaligen B\u00fcrgermeisters von Hasselt und seiner Familie \u00fcber. Am 8. M\u00e4rz 1971 legte ein Brand das Hauptgeb\u00e4ude der ehemaligen Ballei Aldenbiesen in Schutt und Asche. Daraufhin kauften der belgische Staat und die Provinz Belgisch-Limburg dem letzten Eigent\u00fcmer Geb\u00e4ude und Dom\u00e4ne ab. Heute ist Aldenbiesen Kulturzentrum der Fl\u00e4mischen Gemeinschaft und auf dem Wege, ein regionales und vielleicht sogar europ\u00e4isches Kongress- und Begegnungszentrum zu werden.<br \/>\nDiese Denkmalpflege \u00e1 la Belgien hebt sich \u00fcbrigens positiv von einer Kulturschande direkt vor unserer Haust\u00fcr ab. Im benachbarten Siersdorf verf\u00e4llt seit den Kriegssch\u00e4den von 1944 ein Geb\u00e4ude, das ebenfalls eng mit der Geschichte des DEUTSCHEN ORDENS in unserer Region verbunden ist, Es ist eine Kommende, ein ehemals pr\u00e4chtiges Schloss mit Verwaltungsgeb\u00e4ude, das w\u00e4hrend des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit Aldenbiesen unterstellt war. \u00dcber einen langen Zeitraum stellten Mitglieder der Familie von Reuschenberg aus Setterich den Siersdorfer Komtur. Einer von ihnen, Heinrich von Reuschenberg, stieg sogar zum Landkomtur von Aldenbiesen auf. Wen der Anblick der Siersdorfer Ruine schmerzt, wird wenigstens durch den Besuch der benachbarten Pfarrkirche entsch\u00e4digt. Sie geh\u00f6rte auch einst dem Deutschen Orden und beherbergt Kleinode des 16. Jahrhunderts wie einen fl\u00e4mischen Schnitzalter und einen Lettnerbogen. Auf dem Scheitel des Bogens steht die Patronin des Deutschen Ordens, die uns schon bei seiner Namensgebung von 1190 begegnet ist: die Gottesmutter Maria im Strahlenkranz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Joachim Peters Einf\u00fchrender Vortrag zur Exkursion des Alsdorfer Geschichtsverein nach Aldenbiesen\/Belgien am Samstag, 17. Juni 2006 Meine Damen und Herren, drehen wir f\u00fcr einige Minuten die Zeit um rund 800 Jahre zur\u00fcck. Wir schreiben das Jahr 1190 und befinden uns im Heiligen Land. Dort f\u00fchrt die abendl\u00e4ndische Christenheit ihren dritten Kreuzzug gegen die &#8222;UNGL\u00c4UBIGEN&#8220;, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":105,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-42","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","has_thumb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43,"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42\/revisions\/43"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsdorfer-geschichtsverein.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}