Jour Fixe vom 12.11.16: Neue Spuren der Figuren

Von Franz-Josef Müller und Dr. Stephan Saffer:

Neue Spuren der Figuren

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Vier Figuren aus Muschelkalkstein sind es, die die Grünanlagen in Alsdorf-Ost zieren und das Interesse von Franz Brandt geweckt haben. Es sind die Jungfrau in der Allensteiner Straße, der Harmonikaspieler in der Breslauer Straße, Kinder mit Schale in der Danziger Straße, und Kinder mit Teddybär in der Königsberger Straße – allesamt also auf dem Gebiet des Ortsteiles „Ost“ beheimatet. Für deren Erhaltung und Erforschung macht der gebürtige Buscher sich stark.

In dem Buch „Straßen und Plätze in Alsdorf“ von 2001 wird eine der Figuren dem Aachener Künstler Benno Werth zugeschrieben, ebenso schreibt der Bildband „Alsdorf wachsende Bergbaustadt von 1957“ eine ähnliche Figurengruppe einer heute nicht mehr existierenden Brunnenanlage in Alsdorf Busch Benno Werth zu.

Dies war Anlass für den Alsdorfer Geschichtsverein, die Figuren und den Künstler Benno Werth zum Thema des gut besuchten Jour fixe am Samstag, den 12. November, zu machen. Die mit Gründung der Siedlung Ost entstandenen Figuren fallen allerdings in die nicht gut dokumentierte Lebensphase des zwischen dem 22. und 31. Lebensjahr des 1929 in Riesa geborenen Künstlers Benno Werth. Es waren dies die Studien- und Findungsjahre, so Franz Brandt. Wikipedia dokumentiert eine Ausstellung im Jahre 1951 in Aachen, seine Übersiedlung nach Übach-Palenberg und die Übernahme größerer privater und öffentlicher Aufträge. Auch wenn die von Franz Brandt konsultierte Lebensgefährtin des Künstlers, die Professorin Dr. Gisela Engeln-Müllges, und die Kunsthistorikerin Judith Dahmen-Beumers die Werke nicht kannten, können sie sich eine Urheberschaft von Benno Werth vorstellen.

Josef Zentis vom Alsdorfer Kunstverein drückte seine Verwunderung darüber aus, dass der sich seit den sechziger Jahren durch ein besonderes Gußverfahren für die Herstellung seiner abstrakten Kunstwerke bekannte Künstler Muschelkalkfiguren erstellt habe. Er zeigte zwei kleine Kunstwerke des 2015 verstorbenen Benno Werth, der 1999 mit dem Alsdorfer Kunstverein eine Ausstellung „Prinzip Hoffnung Bilder und Skulpturen“ durchgeführt hat. Alfred Raimund konnte einen Artikel aus „De Kull“ von Mai 1957 beisteuern, der die Figur des Harmonikaspielers zeigt, „die von einem Aachener Bildhauer geschaffen wurde“.

Ein gutes Gespür bewies dann Karl Bernd Ghislain: Das muss dann auch in der Aachener Zeitung gestanden haben. Gesagt, getan: Ghislain und Archivar Eberhard Malecha ruhten nicht eher, bis der entsprechende Zeitungsartikel gefunden war.
Die Aachener Zeitung hat dem Alsdorfer Geschichtsverein einen kompletten Satz aller AZ-Ausgaben seit den frühen 50er Jahren – ein richtiger Schatz für alle Geschichtsinteressierten (!) – überlassen. Und in einem der Bände fand sich schließlich:  „Der fröhliche Harmonikaspieler“ vom 25. Mai 1957. Danach stammt der „Entwurf dieser Statue, die mit ihrer lebensbejahenden Fröhlichkeit alle Vorübergehenden erfreut … von dem jungen Aachener Bildhauer N. Perseke.“
Dieses zunächst überraschende Ergebnis wirft Fragen auf: Wer ist N. Perseke? Hat er alle Figuren erstellt? Welche Figuren hat dann Benno Werth geschaffen? Das alles ändert aber nichts an dem von allen Jour-Fix-Besuchern begrüßte Anliegen Franz Brandts, die alte Schönheit der Figuren sichtbar zu machen, insbesondere die beschädigte Figur der Jungfrau zu restaurieren. Benno Werth oder nicht Benno Werth, die Figuren sind es wert, erhalten zu werden. Und der Alsdorfer Geschichtsverein hilft gerne dabei, noch weitere ältere Bilder der „Jungfrau“ zu finden und deren Schöpfer zu identifizieren.

Auch wenn möglicherweise keine Werke von Benno Werth in Alsdorf zu sehen sind, so haben die Teilnehmer mit Benno Werth einen hochinteressanten Künstler kennengelernt, dessen Werk auf einer Ausstellung in Vaals „Benno Werth 1929-2015 Malerei – Skulptur – Zeichnung“ vom 4. Dezember bis zum 8. Januar 2017 in der Stichting Kopermolen Vaals besichtigt werden kann.

Unter der Federführung von Karl-Bernd Ghislain sind weitere Daten zu M. Perseke gesammelt worden. Sie werden in Kürze zugänglich gemacht.

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